Camping Koller

Obwohl uns Cape Breton und nun vor allem auch Newfoundland landschaftlich  am besten gefällt, schleicht sich zwischendurch ein gewisser „Camping-Koller“ rein. Dies hat sicherlich damit zu tun, dass wir schon lange mit unserem Zelt unterwegs sind, das ewige Ein- und Auspacken und Zeltaufstellen manchmal auch anstrengend ist, dass es nun nach 3 Wochen Sonnenschein v.a. in der Nacht zum Teil stark stürmt und regnet und somit Alles etwas feucht und „mottig“ ist, dass Lukas’ Mätteli kaputt ist und er somit noch schlechter schläft, dass man in einem Zelt keine Rückzugsmöglichkeiten hat, dass einem die Ideen ausgehen, was auf einem einfachen Campingkocher kulinarisch geboten werden kann etc etc. Dieser aufkommende Koller ist dann aber jeweils rasch verschwunden, wenn wir diese unglaublich schöne Natur geniessen können, wenn wir Adler, Caribou, Elche sehen oder wenn wir auf dem obligaten Lagerfeuer unsere Marshmallow braten.

 

Nach dem schönen iOverlander Camping mit der stürmischen Nacht, war nun definitiv alles feucht und im Auto roch es wie in einem modrigen Keller. Deshalb war auch klar, dass wir irgendwo entlang dem berühmten Cabot- Trail (eine der weltweit schönsten Strassen rund um die Great Breton Halbinsel) eine Waschmaschine finden müssen. Tatsächlich lernen wir, dass es eine solche, von der Gemeinde errichtete, Comfortstation in einem 100 Seelendorf gibt. Sauber, mit Basketballplatz davor, kann jedermann,- frau bei der Feuerwehrstation die Waschmaschinen und Duschen benutzen, was wir natürlich sehr gerne nutzen. Während unsere stinkende Wäsche ihre Runden drehte, gab es für uns Lunch beim Leuchtturm, während Adler über uns kreisen.

Um Mitternacht dann, verlässt unsere Fähre bei North Sydney Nova Scotia. Die Boarding Prozedur ist unglaublich ineffizient aber super freundlich. Allgemein scheinen die Kanadier für uns ein sehr stressresistentes, freundliches Volk zu sein. Mit jedem wird noch etwas geplaudert, noch ein paar Empfehlungen abgegeben, obwohl sich die Warteschlange hinten dran nicht verkleinert. Da wir natürlich zu spät reservierten, um noch eine Koje zu ergattern, richteten wir uns in den mehr oder weniger bequemen Sesseln in einem unterkühlten Raum ein und schaffen es, wenigstens kurze Phasen zu schlafen.

Bei grusligem Nieselregen und dichtem Nebel erreichen wir die Südküste von Newfoundland. Aber wie von unseren einheimischen Sesselnachbaren prophezeit, fahren wir nur wenige km und schon wieder scheint die Sonne. Das ersehnte Frühstück lässt auf sich warten. Beim Ankunftshafen gibt es einfach nichts und erst nach 45min Fahrt kehren nicht nur wir, sondern praktisch die ganzen Fährepassagiere in das einzige existierende Lokal in der Region ein. Ein Tankstellen-Café, wo es Truckersfrühstück, Eier, Fleisch aus der Dose und gefärbtes Wasser gibt- eine Erfahrung!

Schon auf den ersten Kilometer sehen wir einen angefahrenen Elch am Strassenrand und hoffen ganz fest, diese riesigen Tiere (2m Schluterhöhe) nur von weitem sehen zu dürfen/müssen.

Im Visitorcenter des Gros Morne NP müssen wir etwas enttäuscht vernehmen, dass mehrtägige Wanderungen auch hier nicht wirklich möglich sind. Entweder gibt es- wie wir es auch in anderen NP erfahren haben- ausgetretene kurze Wanderungen zwischen 0.5- maximal 9km oder dann ist man für 3-5 Tage in der Wildnis. Für diese mehrtägigen Hikes hätte man sich aber mindestens 2 Monate früher anmelden müssen, kriegt einen halben Tag Einführung über Umgang mit Kompass, GPS, Bären etc, so dass unsere Anfrage nur müde belächelt wird. Wir entscheiden uns die einzige anderen off-Track Wanderung zu machen, müssen die Rangerin aber zuerst überzeugen, dass wir wissen wie man ein GPS bedient und wie man eine Karte liest. Wir schwören kurz auf das Schweizer Wanderwege Netz mit all seinen Möglichkeiten.

Steine jagen könnte Skip stundenlang

Aber zuerst geht es zu unserem Camping Platz- Berry Hills, wo wir einmal mehr den letzten Platz ergattern konnten. Auch in dieser Nacht muss unser Zelt sein Bestes geben, es regnet z.T. sintflutartig. Endlich kommen mal unsere Regenjacken und Regenhosen zum Einsatz. Rechtzeitig für unseren Ausritt zu fünft, brechen die Wolken auf und die schöne Landschaft zeigt sich bei Sonnenlicht. Früher wurden hier die Pferde gebraucht, um das viele Holz auf die Seen und Flüsse zu transportieren, wo sie dann weiter Richtung Hafen geschwemmt wurden. Heute sind die Pferde durch die riesigen Lastwagen ersetzt und werden nur noch zum Reiten oder Schlitten ziehen gebraucht. Leider dürfen unsere erfahrenen Girls ihr Können nicht brauchen, wir trotten alle brav im Schritt hinter der Führerin her. Jänu, auch eine schöne Art die Landschaft zu entdecken.

Ausritt in Reidville beim Gros Morne NP

In Rocky Harbour entdecken wir noch einen kleinen Fischerladen, wo die Scallops gerade frisch gebracht werden. Diese und feine NFL Crevetten lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Mit etwas Knoblauch angebraten, gibt dies ein Festmahl und schöne Abwechslung zu Pasta, Curry, Bulgur, Pasta, Curry, Bulgur….Um Mitternacht wandern Lars und ich, mit einem etwas mulmigen Gefühl durch den dichten Wald zu einem See. Tatsächlich sind wir da nicht alleine, sondern treffen einen Physiker mit Hobby Astronomie, der auch die Milchstrasse und den beginnenden Meteoritenschauer fotographieren möchte und uns fast etwas logorrhoisch über unsere und alle anderen Galaxien erzählt. Eine Lichtverschmutzung gibt es hier definitiv nicht und Mars, der aktuell besonders gut zu sehen ist, stört schon fast mit seinem hellen Schein.

Die off-Track Wanderung auf die Tablemountains ist tatsächlich mal etwas anstrengender und wunderschön. Die ersten 2 km sind wir zusammen mitTouristen mit Flipflops auf den Bretter-Wanderwegen. Jeden Tag gibt es hier Führungen, da es ein Paradies für Geologen und andere „Steinli-phile“ sein soll. Anscheinend ist hier die gesamte Erdummantelung aufgebrochen und die Schichtung kann im vielen Geröll untersucht werden. Auch als Banausen erkennen wir viele Fossilien und spannende Gesteinsstrukturen ohne aber genauer zu wissen, wie alt wohl diese oder die andere Schicht ist. Nach den Brettern folgen die Steine. Ohne Wanderweg und ab jetzt alleine, klettern wir die Felsbrocken und ca. 600 Höhenmeter hoch, bis wir auf einer unendlichen Ebene ankommen. Neben vielen Mücken sehen wir Caribous, die kanadische Rentierart. Anmutig klettern diese über das Gestein und zwischen den Moor- und Sumpfgebieten herum. Obwohl nur auf 700müM und bei 22 Grad, hat es immer noch Schneefelder.

Tablemountains
Tablemountains Gros Morne

Caribou

Müde und kaputt fahren wir noch bis ans Nordende des Gros Morne zum Shallow Bay Campground.

Eine Antwort auf „Camping Koller“

  1. Ihr Lieben, das lesen Euere Berichte versetzt mich zurück, vor 20 Jahren, als ich selber in dieser Ecke unterwegs war. Herrlich. Danke für das Revival.
    Geniesst diese einmalige Zeit als Familie und passt auf Euch auf. Gruss, David und die 3 Girls

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